Schiffer und Fähren

Die Beueler Schiffer betrieben ihr ehrbares Gewerbe mit Fleiß und Zähigkeit und die Fährbeerbten, die das Monopol der Überfahrt von Dürenbach bei Oberkassel bis zur Siegniederung besaßen, setzten die vielen Reisenden über, die als Kaufleute und Pilger über die nahe vorüberführende Frankfurter Straße nach hier kamen, um zur gegenüber liegenden Residenz oder auch ins linksrheinische Land bis hin nach Aachen zur gelangen. So wurden in mittelalterlicher Zeit alle sieben Jahre Tausende zur Aachener Heiligtumsfahrt hier übergesetzt. Mit einem Wort: Der Rheinstrom war ehedem die Haupterwerbsquelle der Beueler Bevölkerung.

Wie weit das Gewerbe der Schifffahrt zurückgeht, mag daraus zu erkennen sein, dass eine Urkunde des Stiftes Schwarz-Rheindorf die Beueler Schiffer bereits im Jahre 1314 erwähnt.

Zu den unvergänglichen Erinnerungen vieler Generationen gehört die Rheinfähre der früheren Zeiten. Das „Fahr“, wie unsere Altvorderen sagten, also der regelmäßige Fährdienst zwischen Beuel und dem gegenüberliegendem Bonn, ist Jahrhunderte lang eine uralte Einrichtung gewesen, die schon im frühen Mittelalter streng geordnet war.

Der interessante alte Stich zeigt die „fliegende Brücke“ und den Fährbetrieb am Beueler Ufer vor fast 167 Jahren (etwa um 1820). Die Landestelle war um diese zeit schon in Bonn von der Fährgasse an die Josefstraße und in Beuel stromabwärts an das heutige Kriegerdenkmal verlegt worden. Am Bonner Ufer erkennt man deutlich den Alten Zoll, den früheren Kran, das Schloss (die Universität), den Boeselage Hof und die Windmühle am nördlichen Stadtrand.

Hier beherrschen die Nachen das Bild für den Betrachter am Beueler Ufer (um 1880)

Das Boot der „fliegenden Brücke“ ist das Wahrzeichen des Schiffer-Verein Beuel und findet sich als Emblem auch in der Vereinsnadel wieder.

Die „Gierfähre“, auch „Gierponte“ genannt, war eine Plattform über zwei nebeneinander liegenden Schiffs- bzw. Holkörpern. Am Querbalken des stählernen „Galgens“, aus Gründen der Stabilisierung mit dem Schiffsrumpf durch Stahlketten „verspannt“ war die Zugkette befestigt, die zum letzten der sechs bis höchstens neun hintereinander liegenden Bugnachen oberhalb der „Fliegenden Brücke“ führte. Die fortschreitende Technik ermöglichte später die Verlagerung des Zugketten-Befestigungspunktes wahlweise am linken (Richtung Bonn) oder am rechten (Richtung Beuel) Ende des Galgens durch eine Laufkatze. Die Bergabströmung drückte so gegen eine der beiden Breitseiten der Fähre, deren Richtung durch ein kräftiges Ruder am Heck zusätzlich manövrierfähig gehalten wurde. So „gierte“ die Ponte ohne eigene Kraft über den Strom. Bei optimalen Strömungsverhältnissen dauerte eine Überfahrt etwa 10 Minuten.

 

die älteste Gierbrücke zwischen Beuel und Bonn (um 1820)

Der Rhein als eine stets gleich bleibend vorhandene Wasserstraße wurde schon früh für Transporte von Ort zu Ort und Ufer zu Ufer genutzt. Lediglich die Strömungsverhältnisse galt es zu bewältigen und in den Griff zu bekommen. Ebenso war es nötig, gegen den Strom anzufahren und hierfür die entsprechende Kraft aufzuwenden. Hier wurde der Wind ein brauchbarer Verbündeter bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts hinein. Als es dem Menschen gelang, einen Mast zu setzen und aus Fellen Segel zu fertigen, um damit das Fahrzeug im Gleichgewicht zu halten, war eine entscheidende Entwicklung in Richtung zum Fortschritt vollzogen. Heck- und Stangenruder vervollständigten die zunächst noch primitive Ausrüstung.

Jahrtausendelang haben die menschliche Muskelkraft und die Energie des Windes Boote und Schiffe bewegt und getrieben. So bestimmten Ruder- und Segelschiffe auch das Bild der Schifffahrt auf dem Rhein. Erst als die Epoche der Dampfschifffahrt begann, änderte sich das Bild grundlegend.

Bevor das erste Dampfschiff rheinaufwärts fuhr, waren auf vielen anderen Strömen der Welt schon Dampfschiffer gesichtet worden. Die ersten Versuche verliefen viel versprechend, und so drängte sich die Frage auf, warum der Rhein noch nicht mit solch einem „Höllenschiff“ befahren wurde. Wie alles Neue Staunen und Aufsehen erregt, so natürlich auch das Auftauchen des ersten Dampfschiffes auf dem Rhein im Jahre 1816. Dieses englische Dampfboote – „Prinz von Oranien“ – war in London gebaut worden. Die Abmessungen dieses hölzernen Schiffes sollen bei 25 m Länge und 4 m Breite gelegen haben.

Die Maschine mit 40 PS verlieh dem Schiff auf der Bergfahrt eine Geschwindigkeit von etwa 9 km/h.

 

 

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