Rund um St. Johannes von Nepomuk

Aber auch der Hl. Johannes Nepomuk, der das Beichtgeheimnis durch seinen Tod besiegelte und sehr verehrt wurde, fand durch die Beueler Schiffer seine Erhebung zum Schutzpatron. Ihn in die Gedankenwelt und die Gläubigkeit der Schiffsleute einzubeziehen, war  schon eine Heimatverpflichtung, befand sich doch sein Standbild eine Reihe von Jahren auf dem Beueler Rheinufer und grüßte die vorbeiziehenden Fisch und Schiffer Tag für Tag. Der Hl. Jonannes von Nepomuk, der Beueler Nepomuk, stand  viele Jahrzehnte auf der Bonner Seite in der Höhe der ersten Fährgasse. Über die Errichtung des Standbildes und die Ereignisse vor 125 Jahren liest man in der „Bonner Zeitung“, der Vorgängerin des heutigen „General-Anzeiger“:

Beuel, 19. August 1862: „Vor zwei Monaten wurde ein altes, steinernes Bild des Hl. Johannes von Nepomuk in der Mauer des Eckhauses an der ersten Fährgasse und dem Rheinwerfte bei der Reparatur derselben aufgefunden, dem freilich einige Teile fehlten. Die hiesige Schiffergilde kam bei dem Besitzer desselben, Herrn Oberberghauptmann von Dechen, um Überlassung der Statue behufs Aufstellung derselben auf dem hiesigen Ufer ein, was auf die freundlichste Weise bewilligt wurde. Ein tüchtiger Künstler hat die Reparatur vorgenommen, die fehlenden Teile ersetzt und nunmehr steht dieselbe an unserer Südseite am Ufers des Stromes. Es soll noch ein hübsches Gitter als Einfassung angebracht und dann das Heiligenbild über 14 Tagen feierlich eingeweiht werden.“

Am 3. September 1862 ist über das Denkmal zu lesen: „Unsere Kirmes ist ganz außerordentlich belebt, man glaubt, was Buden, Schaustelle und Andrang froh genießender Menschen betrifft, auf dem Pützchener Jahrmarkt zu sein. Bei Gelegenheit der Kirchweihe fand auch eine für unseren Schiffer-Verein denkwürdige Einweihung statt. Nach einem feierlichen Hochamt in der Pfarrkirche zu Vilich, dem der Schifferstand besonders herzlich beiwohnte, bewegt sich eine feierliche Prozession, die Schulkinder voran, denen der Schiffer-Verein folgte, nach dem fünf Minuten von der Fähre südlich der hübsch zwischen schattigen Bäumen am Ufer unseres Stromes und mit freier Aussicht auf denselben aufgerichteten Denkmal des Hl. Johannes von Nepomuk. Die Statue, welche in Bonn in einer Mauer am Rhein aufgefunden und uns durch die Güte des Herrn Oberberghauptmann von Dechen überlassen worden ist, wurde von einem tüchtigen Künstler renoviert, ergänzt und bemalt und macht einen sehr guten Eindruck. Sie steht auf einem mächtigen Kubus von Stein, der nach der Rheinseite zu die Inschrift trägt: St. Johannes von Nepomuk. Zur Ehr Gottes errichtet vom Schiffer-Verein bei dessen Stiftung zu Beuel 1862.“ Das Denkmal wird von einem hübschen eisernen Gitter umschlossen und heute mit Laub und Blumen feierlich geschmückt. Als die Prozession dort angelangt war, hielt Herr Pastor Pfeiffer eine sehr anregende Rede über die Tugenden des Hl. Märtyrers und empfahl allen und insbesondere den Schiffern die Nachahmung des Patrons. Ein Chor von Sängern trug ein Weihlied vor, und ein allgemeines Tedeum schloss die schöne Feierlichkeit, welche vom prachtvollsten Wetter begünstigt wurde.“

Auch vergeht in der damaligen Zeit kaum ein Jahr ohne Kosten für das Standbild des Hl. Nepomuk: Anstreichen, Reinigen, Gitter reparieren, Pflanzen setzen, Doch und Öl für die Lampe und anders. Säuberlich sind auch die Spenden gebucht, die man der Opferbüchse am Johannes periodisch entnahm. Das ging im Laufe der Jahre von 30 Pfennig bis zu 10 Mark.

Doch arg vom Zahn der Zeit zernagt, fristete die Statue 107 Jahre ihr Dasein auf der Rheinpromenade. Am Sockel waren die Spuren zahlreicher Hochwasser zu erkennen, und das Kleid des Heiligen bedurfte dringend einer Erneuerung.

So war die Freude groß, als Käpt’n Johannes Thiebes in der Jahreshauptversammlung 1969 den Mitgliedern mitteilte, dass die Stadt Beuel ihre Hilfe für die längst fällige Renovierung des Denkmals zugesichert habe. Noch im gleichen Jahr begannen die Mitglieder mit der Arbeit. Walter Becker stellte einen Kranwagen zur Verfügung, Steinmetz Ferdinand Wiegand restaurierte die Statue, und die Stadt Beuel übernahm im Zuge des Ausbaues der Rheinpromenade den Aufbau des neuen Sockels.

Am 21. September 1969 war es soweit. Mit Fahnen, Blumen und vielen Gästen wurde das neu hergerichtete Nepomuk-Denkmal im Rahmen einer kleinen Feierstunde durch Kaplan Jonen eingesegnet. Für den musikalischen Rahmen sorgten das Blasorchester des Beueler Musikverein unter Leitung von Karl Büchel und der Beueler Männer-Gesangverein 1862 unter Leitung von Peter Winand. Anschließend versammelten sich die Mitglieder zu einem Umtrunk in der Gaststätte „Zur Erholung“.

Leider wurde die Nepomuk-Statue im Jahre 1971 von unbekannten Tätern wieder beschädigt. Man hatte der Statue beide Hände abgeschlagen und das wertvolle Bronzekreuz entwendet.

Eine Anzeige gegen die Rowdies blieb jedoch ohne Erfolg.

Unser Nepomuk ist seit Bestehen des Vereins stärker in der Gedankenwelt der Beueler verwurzelt aus der Nikolaus, war er doch allein sichtbar und allgegenwärtig. Er wurde zum Wahrzeichen am Beueler Ufer. Den Schiffern auf dem Strom, die ihn bei der Vorüberfahrt durch Abnehmen der Kopfbedeckung grüßten, war er Zuversicht und vielen Menschen in Beuel ein Trostspender. Manche alten Leute, die ehedem den weiten Weg zur Vilicher Kirche nicht mehr machen konnten, verrichteten ihr stilles Gebet zu Füßen des heiligen. Hier wurde auch der erste Gottesdienst im Kleinen abgehalten, da sich im Monat Mai die Mitglieder zu einer Andacht zur Himmelskönigin an der Statue versammelten.

Die Geschichte des Schiffer-Verein Beuel zu schreiben, mit anderen Worten den geschichtlichen Ablauf des Vereinslebens festzuhalten, die Menschen, die die Verantwortung der Vereinsführung jeweils übernommen hatten, zu beleuchten, ihre Erfolge, aber auch ihre Enttäuschungen zu buchen, die besonderen Ereignisse im Ort, soweit sie das Geschick des Vereins angingen und sein Handeln beeinflussten, niederzulegen, ist ein schweres Unterfangen. Die alten Unterlagen – Chroniken, Protokollbücher, Zeitungsberichte, Kassenbücher, historische Gegenstände, deren man sich bei feierlichen Anlässen zeremoniell bediente, Lichtbilder und Rundbriefe – gingen fast alle bei dem großen Fliegerangriff auf Beuel am 18. Oktober 1944 verloren. Auch die prächtige Vereinsfahne, die von Anbeginn von den Schifferbrüdern und deren Angehörigen bei vielen hundert Anlässen in Freud und Leid voran getragen worden war, wurde ein Opfer der grausigen Zerstörung.

Ein altes Protokollbuch, das leider erst mit dem 25. Februar 1923 beginnt, und ein Kassenbuch aus dem Jahre 1896 sowie noch einige „ausgegrabene“ Zeitungsberichte sind die einzigen Unterlagen, die dem Verfasser zur Verfügung standen. Wenngleich das Protokollbuch vergleichsweise jungen Datums ist, bereitet es doch eine eigenartige Freude, darin zu blättern. Carl Heuser war den Rendant und Schriftführer. Mit ausgesprochener Schönschrift und beachtlicher Akkuratesse hat er seine Eintragungen gemacht, wofür man ihm heute noch Lob zollen muss. Seine Niederschriften waren alles andere als rein sachliche Darstellungen, er erhob das Nüchterne und Geschäftliche in den Bereich des Menschlichen. Geradezu rührend umschreibt er die Überlegungen und Beschlüsse. So liest man in einer Niederschrift: „Hoffen wir, dass unsere im Jahre 1923 zur Ewigkeit eingegangenen Mitglieder zur ewigen Anschauung Gottes im Himmel angelangt sind.“

 

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