Land unter. - Eine Gemeinschaft wird gefordert.

Das Fischessen nimmt breiten Raum ein auf den Seiten des Protokollbuches. Oft ging es planend hin und her. Sollte es Backfisch oder Schellfisch sein? Egal wie, gegessen wurde immer. Es gab vielfache Gelegenheiten, im Rahmen der Geselligkeit etwas für den Magen und gegen den Durst zu tun. So ist zu lesen, dass 1901 beim Fischessen 91 Karten verkauft wurden zum Preis von 50 Pfennig. O selige Zeiten.

1925/26 stand das Hochwasser an der Ecke Johannes-/Hermannstraße.

Für die "ahl Ringsche" kein Hinderungsgrund, den Weg zur Gaststätte Engels (später Fritz Köppler) zu einem kleine Umtrunk zu finden.

Bei einer Nikolausfeier, wo man die Schifferkinder immer reichlich beschenkte, wurden gar 180 Portionen Gulasch mit Kartoffeln und Salat für 70 Pfennig verabfolgt.

Übrigens hat es einmal geraume Zeit kein Fischessen gegeben. Das war von 1913 bis 1924. Das hat man wohl bei der Wiedereinführung dieses traditionellen Tuns am 16. November 1924 kräftig nachholen wollen. Dieses erste Fischessen nach dem Ersten Weltkrieg fiel jedoch sprichwörtlich ins Wasser. Ein Hochwasser überflutete Anfang November 1924, bei einem Pegelstand von 7,52 Meter, die Rheinufer und schnitt das Festlokal „Rheingold“ von jedem Verkehr ab.

Am 1. Februar 1925 wurde das Fischessen im Lokal „Rheingold“ nachgeholt. Außer dem Schellfischessen gab es noch einen Bratengang mit „feinem“ Nachtisch, alles zu einem Preise von 3,50 Reichsmark. Zahlreiche Vereinsmitglieder und andere angesehene Bürger Beuels  waren der Einladung des Vorstandes gefolgt. Der 1. Vorsitzende, Johannes Richarz begrüßte in herzlicher Weise besonders die Ehrengäste Pfarrer Zingsheim,  Kaplan Warler und Bürgermeister Dr. Schöttler, die an diesem Abend erstmals einer derartigen Festlichkeit beiwohnen konnten.

Nach dem „ersten Gang“ hielt Pfarrer Zingsheim die Festrede. Er würdigte die Verdienste des Schiffer-Verein, die er sich durch die Unterstützung seiner bedürftigen Mitglieder erworben hatte. Weiterhin bedankte er sich für die vorbildliche Mitwirkung bei der Errichtung des neuen Gotteshauses und die Schenkungen an die neue Pfarrkirche. Am Schluß des großen Essens wurden Pfarrer Zingsheim und Bürgermeister Dr. Schöttler vom 1. Vorsitzenden zu Ehrenmitgliedern des Schiffer-Verein ernannt.

„Land unter“ hieß es sehr oft am Beueler Ufer. Immer wieder war es der Strom, der sein gewichtiges Wort mitsprach, denn viele Male zeigte er sein drohendes Antlitz, quoll über die Ufer und brachte Mensch und Tier, Hab und Gut in böse Gefahr. Dem Rhein wurde sein Bett zu schmal, und seine schmutzigen Wogen schlugen über Straßen und Promenade zusammen. Der Beueler kennt die Launen des Stroms, doch die ungeheuren Wassermassen wurden auch ihm mitunter zu viel. Zweimal wütete der Strom in diesem Jahrhundert sehr schlimm. Das war, wie die beiden Bilder zeigen, im Frühjahr 1920, als die Fluten einen Pegelstand von 9,98 m erreichten.

Zum Jahreswechsel 1925/26, am 1. Januar, kam dann das „große Hochwasser“, das selbst die Alten in Staunen versetzte. Viele unserer am Rhein wohnenden Mitglieder wurden auf das schwerste betroffen. Man nannte es später das Jahrhunderthochwasser. Damals erreichte der Strom einen Pegelstand von 10,10 m.

Im Protokollbuch schrieb Carl Heuser am 6. Januar 1926 mit gottesfürchtiger Hand: „Wir wollen hoffen und beten zu Gott dem Herrn, dass er unsere Mitglieder vor Ähnlichem gütigst bewahren wolle. Möge das jetzt angefangene Vereinsjahr 1926 für alle unsere Mitglieder ein recht glückliches und gesegnetes werden. Dieses entflehn wir für uns durch die Fürbitte unserer heiligen Patrone am Throne Gottes.“

Bei diesen Hochwasserkatastrophen galt es wohl mehr, einen Bruder, einen Schifferbruder, neben sich zu wissen als nur den Nachbarn.

Hier zeigte sich auch so recht, was die Schifferbrüder unter nachbarlicher Hilfe und Gemeinnutz verstanden. Jeder, der über ein Wasserfahrzeug verfügte, machte sich bereit, zu helfen. Tag und Nacht pendelten die Nachen und Schütten hin und her. Es gab einen regelrechten Fahrplan, nachdem die Milch, die Post und die Brötchen ausgefahren wurden. Der Personenverkehr verlief oft in kurioser Weise. Man wusste sich aber zu helfen, und die alten Schiffer und Fischer waren erfindungsreich. Diese wackeren Einsätze bleiben unvergessen.

Im Rahmen einer würdigen Feierstunde im Sitzungssaal des Rathauses überreichte am 24. November 1955 Regierungspräsident Dr. Warsch unserem Schifferbruder und Anstreichermeister Wilhelm Büchel aus der Steinerstraße das „Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Diese hohe Auszeichnung war Wilhelm Büchel vom Bundespräsidenten in Anbetracht seiner Verdienste verliehen worden, die sich dieser populäre Schiffer in mehr als fünfzig Jahren im Hochwassereinsatz erworben hatte. Im Beisein von Bürgermeister Link und Stadtdirektor Hahn überreichte ihm der Regierungspräsident die Urkunde und heftete ihm das Kreuz an die Brust. In seiner kurzen Ansprache betonte der Regierungspräsident, dass Wilhelm Büchel seit mehr als einem halben Jahrhundert in den Zeiten des Hochwassers Tag und Nacht selbstlos auf dem Posten war. Dafür gebührte ihm diese Auszeichnung, die zugleich seinen ganzen Stand, die Handwerkerschaft, ehre.

Weitere vergleichbare Hochwasser erlebten die Beueler Rheinanwohner am 1. Januar 1948 mit einem Pegelstand von 9,29 m, am 19. Januar 1955 mit 9,35 m und als der Rhein am 24. Februar 1970 auf 9,50 m anstieg. Am 8.Februar 1980 mit 8,83 m und am 22. Dezember 1982 mit 8,08 m trat Vater Rhein wieder mächtig über die Ufer, bis er dann 1083 im April und im Mai gleich zweimal die Beueler in Panik versetzte. Nach dreizehn Jahren verwandelte er Beuel am 29. Mai 1983 bei einem Pegelstand von 9,44 m in eine riesige Lagunenstadt.

Die angegebenen Pegelstände entsprechen dem heutigen Wert, nachdem der Pegel Bonn ab 1. November 1979 um 1,00 m tiefer gelegt worden war.

In diesem Zusammenhang soll man auch über die größte, bisher bekannte Hochwasserkatastrophe hier ruhig einmal berichten.

Im Jahr 1784, 27. Februar, kam es Bonn, Beuel, am Mittel- und Unterrhein mit seinen Nebenflüssen zu einer Hochwasserkatastrophe, von der Zeitgenossen berichteten, niemand, der sie erlebt habe, könne an sie ohne Schrecken denken:

„Greuliche Verwüstungen, äußerste Armut, schierer Hunger, gewaltsamer Tod“ zeichneten den Winter dieses Jahres aus. Das Wasser erreichte damals den Pegelstand von 13,60 m und schwappte sogar bis in das Bonner Münster.

Die Chronisten dieses zurückliegenden Naturereignisses wussten dazu folgendes zu berichten: Im Dezember des Jahres 1783 wechselten harter Frost und Tauwetter. Diese Witterung brachte das Eisschollentreiben mit sich. Die Mosel und auch Teile des Rhein bei St. Goar waren zeitweise mit einer festen Eisdecke überzogen, die bei „gelinder Witterung“ wieder brach und die Flüsse hinab trieb. Der Wetterwechsel führte uns also das Eis auf dem Oberrhein und den Nebenflüssen von Tag zu Tag in solcher Menge zu, das die Eisschollen sich gleichsam wie Berge aufhäuften, die, durch ihre eigene Last gedrückt, vielerorts niedersanken und den gewöhnlichen Lauf des Stromes hemmten.

Ende Januar bis zum 25. Februar 1784 war der Rhein bei Bonn-Beuel so fest zugefroren, dass man mit schwerbeladenen Karren darüber fahren konnte. Auf dem Eis wurde Markt abgehalten. Bei einer am 22. Januar erfolgten Messung der Eisdecke wurde eine Stärke von drei bis vier Meter festgestellt.

Als dann am 22. Februar große Regengüsse niedergingen, bahnte sich die Katastrophe an. Das Wasser stieg und am Aschermittwoch, dem 25. Februar 1784, brach der Rhein los. Die Wassermassen konnten wegen des Eises nicht abfließen. In der Nacht auf den 27. Februar erreichte das Wasser mit 13,60 m seinen höchsten Stand. Besonders schwer betroffen war Beuel. 112 Häuser zerstörte das Wasser, teilweise wurden sie völlig hinweggetrieben.

Das Vereinsleben der Schifferbrüder war fest gefügt, doch nicht immer ging es dabei ohne Sorgen. Es waren aber immer wieder die Alten, die das Schiff in Fahrt hielten. Einer von ihnen war zweifellos Jakob Burgunder, der am 18. Februar 1923 zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Im Jahre 1925 erinnerte man sich einer alten Gepflogenheit, die wahrscheinlich durch den Krieg verloren gegangen war. Man beschloss, dass fortan wieder am Sterbehaus eines abgeschiedenen Schifferbruders gebetet werden sollte. Für diesen Zweck hatte der Schiffer-Verein seine Gebete zusammengestellt.

 

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