Jubiläen, Ehrungen, ein neuer Vorstand - Der Verein wächst.

Am 12. Dezember 1961 war die erste Zusammenkunft des Festausschusses. Die Aufgaben wurden verteilt, und man ging eifrig daran, ein schönes Fest vorzubereiten. Spenden und Sammlungen ergaben bald einen Kassenbestand, der dem Festausschuss in seinem Handeln genügend Spielraum ließ.

Am Samstag 19. Mai 1962, feierte der Schiffer-Verein dann sein 100jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er immerhin wieder 106 Mitglieder. Die dreitägigen Feierlichkeiten begannen mit einem großen Festkommers im Clubhaus des Wassersportverein Beuel. Pfarrer Bodewig hatte die Ehrung der Goldjubilare Willi Thiebes, Wilhelm Büchel und Peter Weber übernommen.

Wegen Krankheit konnten Wilhelm Burgunder, Heinrich Richarz und Gottlieb Rosen an der Feierstunde nicht teilnehmen. Für ihre 50jährige Vereinszugehörigkeit wurde ihnen bei anderer Gelegenheit die goldene Ehrennadel verliehen. Der 1. Vorsitzende, Willi Thiebes, ehrte das Ehrenmitglied Pfarrer Bodewig mit der goldenen Ehrennadel des Vereins.

Bürgermeister Hans Steger überbrachte die Glückwünsche der Stadt Beuel und des Rates. Ein Schiffer-Verein sei wichtiger als irgendein Fremdenverkehrsverband, meinte er, denn nur in einer solchen Gemeinschaft könnten die Bindungen gepflegt und aufrechterhalten werden, die für ein Gemeinwesen unbedingt notwendig seien und betonte, die kulturellen Werte des ältesten Beueler Vereins müssten erhalten bleiben.

Sonntags war ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche. Der Pfarr-Cäcilien-Chor unter Leitung von Peter Winand verschönerte den Gottesdienst mit der Friedensmesse von Huber. Nach der Messe zog man im Festzug zum Nepomuk-Denkmal, wo unter großer Beteiligung die Ehrung der Toten erfolgte. Der Beueler Männer-Gesangverein 1862 und das Blasorchester des Musikverein Beuel umrahmten die Gedenkfeier musikalisch. Ein Frühschoppen in der Gaststätte „Zur Erholung“ beendete den zweiten Festtag.

Am Montag trafen sich die Frauen der Vereinsmitglieder in den Räumen des Wassersportverein Beuel zu einer Kaffeetafel. Am Abend war dann, gemeinsam mit den Männern der Ausklang des Festes, dessen Kosten mit etwa 4100,- DM als verhältnismäßig bescheiden anzusehen sein dürften.

Eine gewichtige Rolle im Vereinsleben spielt die „Nöhs“ – eine hölzerne Kelle, mit der die Fischer und Schiffer das in die Nachen und Schütten eingedrungenes Wasser ausschöpften. Jedes neue Mitglied muss aus der fein gearbeiteten mit Wein gefüllten Schöpfkelle einen herzhaften Schluck tun. Das besiegelt gewissermaßen die Aufnahme in den Schiffer-Verein.

In der Jahreshauptversammlung am 20. Januar 1963 wurden nicht nur das Fazit aus dem Fest des 100. Jubiläums gezogen, sondern auch die Weichen für die künftige Arbeit im Verein gestellt.

Käpt’n Willi Thiebes legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als 1. Vorsitzender nieder, was für die Mitglieder nur allzu verständlich war. 26 Jahre hatte er als „Steuermann“ den Verein geführt, deshalb war es Ehrensache, ihn einstimmig zum Ehren-Käpt’n zu ernennen. Willi Thiebes verstarb 1964. Als sein Nachfolger wurde Schifferbruder Johannes Thiebes einstimmig zum neuen Käpt’n und 1. Vorsitzenden gewählt.

Zu einem großen „Kennenlernen“, verbunden mit einem Familien-Ball, hatte der 1. Vorsitzende des Beueler Männer-Gesangverein 1862, Heinrich Becker, im Oktober 1964 in das Pfarrheim eingeladen. Dabei waren der Schiffer-Verein und der Pfarr-Cäcilien-Chor sowie als Gastverein der Männer-Gesangverein Roleber. Sinn und Zweck dieser Veranstaltung war die Zusammenführung der alten Beueler Vereine zu einer festen Gemeinschaft.

Am Morgen des 8. Dezember 1964 versammelten sich die Vereinmitglieder unter ihrer Fahne, die Fahnenträger Wilhelm Büchel zum Pfarrfriedhof trug, wo sie sich über dem Grab des in diesem Jahr verstorbenen Käpt’n Willi Thiebes senkte. Wilhelm Büchel behütete über viele Jahre sorgsam unsere Vereinsfahne. Er war es auch, der zusammen mit Wilhelm Gietz, dem Verein den wunderschönen Tisch-Fahnenmast zum 100.Jubiläum stiftete. In der Jahreshauptversammlung im Januar 1966 zierte dieser Flaggenständer erstmals den Vorstandstisch. Am 17. März 1965 zog man mit Fackeln und Blasmusik zur Steinerstraße, wo Wilhelm Büchel 80 Jahre als geworden war. Viele Mitglieder überbrachten ihm ihre Glückwünsche. Käpt’n Johannes Thiebes würdigte seinen aufopfernden Einsatz im Schiffer-Verein Beuel durch eine kleine festliche Ehrung. Wilhelm Büchel verstarb im Dezember 1965.

In kleinem feierlichen Rahmen würdigte man das 110jährige Bestehen des Schiffer-Verein. Zahlreiche „Ahl Rhingsche“ hatten sich am 13. Mai 1972, dem Ehrentag, zu geselliger Runde in der Gaststätte „Zur Erholung“ eingefunden, so auch Bürgermeister Hans Steger, der noch am gleichen Abend mit einem kräftigen Schluck aus der „Nöhs“ und lautem Beifall in den Schiffer-Verein aufgenommen wurde.

Eine besondere Ehrung wurde der langjährigen Beitragskassiererin Frau Margarete Schwarzer zuteil. Aus Anlass ihres 75. Geburtstages gratulierte man ihr mit Blumen und einem Geschenk. Frau Anna Thiebes wurde mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Sonderbeifall gab es beim Stiftungsfest 1973 für den frischgebackenen neuen Kassierer Karl Heinz Rohrbach, der mit einer gestifteten kalten Platte seinen Einstand gab und sich so von der ersten Stunde seines offiziellen Wirkens an bei den Mitgliedern „beliebt“ machte. Karl Heinz Rohrbach verstarb im Mai 1983.

Bei seinem 115jährigen Bestehen am 14. Mai 1977 zog es den Schifferverein ins Holzlarer Waldcafé. Ohne steifes Zeremoniell feierten die „Ahl Rhingsche“ dieses Fest in geselliger Funde. Als Pfarrer Gottfried Richenhagen erschien, beauftagte der Käpt’n den Schifferbruder und Bürgermeister Hans Steger, eine seit langem fällige Ehrung vorzunehmen. Hans Steger ernannte Pfarrer Richenhagen zum Ehrenmitglied des Schiffer-Verein und heftete ihm die goldene Ehrennadel an.

Pfarrer Richenhagen dankte und meinte, es dauere eine Weile, bis man in Beuel zu Hause sei. Die Geschichte und Bedeutung des Schiffer-Verein sei ihm erst beim Studium der Pfarrchronik deutlich geworden und versicherte, er werde den Verein fördern.

Der Schiffer-Verein ist stolz auf seine Tradition. Im Jahresterminkalender ist deshalb seit 1974 auch eine Schiffstour fest eingeplant. Es ist selbstverständlich, dass in jedem Jahr beim Stiftungsfest an das ehrbare Gewerbe der Beueler Fischer und Schiffer erinnert wird. Uraltes Brauchtum wird lebendig bei den gemütlichen Abenden, wo sich seit jeher eine große Schifferfamilie zusammenfindet.

Geselligkeit steht immer im Vordergrund des Vereinslebens, gefördert durch Veranstaltungen wie  „Einmal im Jahr mit dem Schiff de Rhing erop“, Nikolausfeier und Stiftungsfest mit Tanz. In seiner ruhigen Art hält Käpt’n Johannes Thiebes die Fäden in der Hand. Anwesenheits-Strichlisten braucht er nicht zu führen, denn die „Schifferbrüder“ halten auch ohne Drill fest zusammen. Wenn die Mitglieder sich im Gasthof treffen und erzählen, dann zieht sich, ganz unauffällig, ein roter, genauer gesagt ein grün-brauner Faden durch das Gespräch: Irgendwie gehören sie eben doch zum Rhein. Und deshalb wird bei den Festen nicht der wehmütige Blick in die Vergangenheit, sondern das heitere Heute im Vordergrund stehen. Vater Rhein geht mit der Zeit. So auch der Schiffer-Verein Beuel.

Allenthalben begegnet man in den Protokoll-Aufzeichnungen liebgewordenen und eifrig gehüteten Gepflogenheiten. So ist recht oft die Rede vom „Schiffertröpfchen“, das für die Deputierten und Mitgänger gespendet werden musste, wenn man zu bestimmten Anlässen die Fahne abholte. Das „Schiffertröpfchen“, ein Korn mit Boonekamp, den Älteren noch als „Korn mit Speck“ bekannt, darf beim geselligen Beisammensein nicht fehlen. Das Schiffertröpfchen ist heute bei den Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Bei der Schiffstour sowie beim Stiftungsfest wird es zu vorgerückter Stunde bei einer zünftigen Polonaise der Schifferfamilie kredenzt.

 

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