Vom Fischerkahn zum Rennachter - Leistungssport auf dem Rhein

Wer weiß schon, dass der Wasser- und Rudersport in Beuel eine sehr lange Tradition hat und sich Beuel zu den alten Ruderzentren zählen darf. Schon seit den Jahren um 1865 waren die Beueler Fischer und Schiffer dazu übergegangen, neben ihrem Beruf auch das sportliche Rudern zu pflegen. Im Laufe der Zeit fanden sich einige Bonner dazu, und diese Gemeinschaft nannte sich „Beuel-Bonner-Ruderclub“. Aus alten Chroniken anderer Clubs lässt sich entnehmen, dass die Beueler Ruderer sehr gefürchtete Gegner waren. So heißt es im Jubiläumsprogramm der 50. Emser Regatta am 1. Juli 1877 beim Rennen 1 für „Vierruderige inrigged Gigs“: Boot „Auguste“ vom Beueler Bonner Ruderclub. Trickots weiß mit blau besetzt, Mützen weiß mit blausilberner Korkade.

Vor dem Bootshaus des WSV Beuel
mit den Booten "Hindenburg" und "Ennert".

Die Ruderer C. Alvarado, A. Uerdingen, Fritz Broel, Fritz Schmitz (Schlag) und Steuermann M. Alvarado traten als Gegner der Frankfurter Rudergesellschaft „Germania“ an. Der Sieg ging an die Beueler. In Rennen 3 ging die gleiche Mannschaft mit dem vierruderigen Kielboot „Komet“ an den Start gegen den Kölner Ruder-Verein „Union“. Auch dieses Rennen wurde Beuel gewonnen. Die Preise überreichte Kaiser Wilhelm I. persönlich den Siegern.

Des weiteren wissen die Chronisten zu melden, dass der Beuel-Bonner-Ruderclub außer auf den Regatten in Frankfurt, Hamburg, Köln auch aus Nymwegen Siege mit nach Hause bringen konnte. Als man auf der Nymweger Regatta die baumlangen Kerls sah, sagten die Utrechter sofort: „Den Preis, den wir jetzt 10 Jahre erfolgreich verteidigten, holen uns diese Leute weg!“ Und so kam es auch. Die Beueler Ruderer sollen es auch gewesen sein, die durch Anbringen einer Außenlatte mit Dollen die Möglichkeit fanden, ihre Boote schmaler zu bauen. Sie sollen ebenfalls eine Methode erfunden haben, die man als Vorläufer der später so bequemen Rollbahnen bezeichnen könnte, indem sie die Sitzbahnen mit Seife einrieben und mit ledernen Gleit-Hosenböden Auslage und Einzug länger machten.

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts verlagerte sich das Rudern mehr nach Bonn, und so kam es, dass sich im Jahre 1882 dort ein neuer Ruderclub auftat, der allerdings Boote und Bootshaus von dem früheren Beuel-Bonner-Ruderclub erwarb. Wer in Beuel noch Interesse für das sportliche Rudern hatte, wandte sich nach Bonn, und so blieben jahrzehnte die vielen Nachen der Fischer und Wäscher das einzige Zeichen Beueler „Wassersports“. Und doch sollte auch in Beuel wieder ein rudersportliches Leben beginnen. Der Anstoß kam vom Kölner Club für Wassersport, einem Verein, dem der spätere WSV bei der Bootsbeschaffung wie bei der sportlichen Förderung viel zu danken hat. Insbesondere war es Rudolf Hülser, der schon seit dem Jahre 1919, um seine „herzlichen Beziehungen“ zu Beuel zu untermauern, fast allsonntäglich mit zwei oder drei Vierern oder einem Achter von Köln nach Beuel hinaufruderte und hierbei Freundschaften mit jungen Menschen anbahnte, die über viele Jahre Geltung hatten. Und als er 1925 endgültig seine Tätigkeit nach Beuel verlegte, war für ihn der Fall klar: Es blieb ihm und Heini Bücher überlassen, erstmalig am 1. Juli 1925 das bisher vom „Verein Bonner Segler“ bei Burgunders „Köpp“ genutzte Haus für die Unterbringung ihrer zwei Boote zu mieten. Anfang September waren die Besprechungen mit seinen Beueler Freunden soweit gediehen, dass am 11. September 1925 im Hotel Willkens die Gründungsversammlung des Wassersportvereins Beuel stattfinden konnte. Das Vorhaben wurde besonders gefördert durch Bürgermeister Dr. Schöttler und den Kegelclub „Stümper“, dessen Mitglieder geschlossen als Gründer auftraten. Zu den Gründermitgliedern gehörten, neben vielen anderen bekannten Beueler Bürgern, auch die Schifferbrüder Heinrich Bücher, Dr. Hermann Breuer (Manes), Rudolf Hülser, Willi Lister, Bernhard Mauel, Dr. Franz Pentrup, Alexander Thiebes, Hans Thiebes, Heinz Thiebes, Dr. Hermann Thiebes, Wilhelm Hieronymus Thiebes (WH) und Willi Thiebes.

Die Vereinsflagge entsprach einem Entwurf von Rudolf Hülser: Schwarzer Stern in blauem Feld mit weiß-schwarz-weißen Diagonalstreifen. Satzungen wurden genehmigt und die Anmeldung beim Deutschen Ruderverband vorgesehen. Zum ersten Vorstand wurden bestellt:

Postdirektor Major Herrfahrdt zum 1. Vorsitzenden,

Wilhelm Hieronymus Thiebes zum 2. Vorsitzenden,

Rudolf Hülser zum Schriftführer und Hugo Gyser zum Schatzmeister.

In der Person des Major Herrfahrdt hatte der Verein einen alten Herren gewonnen, der mit außerordentlicher Intensität das Ruder in die Hand nahm, die Anerkennung beim Deutschen Ruderverband ab 31. Oktober 1925 sicherte und sogleich das erste Boot bestellte. Schon nach kurzer Frist wurde der Vierer geliefert und unter dem Kommando Rudolf Hülser die ersten Mannschaften ausgebildet. Die Mitgliederzahl nahm laufend zu, so dass bald ein zusätzlicher Zweier angeschafft werden konnte. Die beiden Boote erhielten die Namen „Ennert“ und „Elsa“. Mit Bootstaufe trat der Verein an die Öffentlichkeit. An ein Bootshaus war zunächst noch nicht zu denken. Neben der Waschkaue von Burgunders „Köpp“ wurde ein Schuppen gemietet, in dessen niedrige Kopfwand man ein Pförtchen baute, durch das man mit den Booten gerade Bücklings hineingelangen konnte. Zwar hatte man bei Gründung einen Bauplan entwickelt, aber die Mehrheit befürchtet, dass ein solches Haus zu klein sei. Für eine großzügigere Lösung aber fehlte das Geld.

Nun, aus kleinen Anfängen entwickelte sich mit der Zeit einer der größten und erfolgreichsten Rudervereine unseres Landes, und er hat seinen Sitz in Beuel am Rhein. 1976 schlossen sich die ehemalige Bonner Ruder-Gesellschaft (Alt-BRG) mit dem Wassersportverein Beuel (WSV) zur heutigen BRG zusammen. Ihr Sitz ist das „Haus am Rhein“, ihre Flagge die des ehemaligen WSV Beuel. So wie schon zu dessen Glanzzeiten gehören viele Mitglieder der heutigen Bonner Ruder-Gesellschaft auch dem Schiffer-Verein Beuel an, aus alter Tradition ihrer Väter und aus Liebe zum Strom.

 

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